Kongress sieht Tourismus in den Favelas Rio de Janeiros als Herausforderung

Veröffentlicht: 16. April 2015 - 13:48h | Aktualisiert: 16. April 2015 - 13:48h | Kategorie: Brasilien Reise-News

View of Poor Living Area on the Hills of Rio de Janeiro, BrazilImmer mehr Touristen besuchen die Favelas Rio de Janeiros. Herbergen und Pousadas in den “comunidades“ sowie sightseeing sind bei brasilianischen und internationalen Besuchern gefragt. Wie sich dies auf die dort lebenden Menschen auswirkt und wie ein nachhaltiger Tourismus installiert werden kann, damit hat sich der erste Tourismus-Kongress in der Favela Rocinha befasst. An dem haben sich Akademiker, Reiseunternehmen, Studenten und Vertreter öffentlicher Einrichtungen beteiligt.

Die Rocinha ist eine der größten Favelas Rio de Janeiros. Von der Tourismusbranche ist die comunidade in der Südzone der Stadt am Zuckerhut längst entdeckt worden. Es wird geschätzt, dass in der Hochsaison etwa 2.000 bis 3.000 touristen den Stadtteil besuchen, sei es per Jeep Tour, zu Fuß, mit dem Motorrad oder Kleinbussen. Allerdings stößt dies nicht bei allen auf ein positives Echos.

Einige Aktivisten der comunidades verurteilen die “Favela-Safaris“ großer Reiseagenturen und sprechen von einer Ausbeutung der Armut. Einer der wichtigsten Punkte des Kongresses hat sich deshalb auch mit der Harausforderung beschäftigt, eine Tourismusform zu entwickeln, welche die Bewohner der Favelas repsektiert. Ziel ist es, einen nachhaltigen Tourismus zu schaffen, an dem ebenso die Menschen der comunidades beteiligt werden.

Anders als in anderen Stadtvierteln Rio de Janeiros geben die Besucher in den Favelas allerdings umgerechnet lediglich etwa drei Euro aus, wie es in einer Studie des Tourismusministeriums heißt. Von denen, die nichts bei ihrem Besuch in der Favela gekauft haben, wurde auf eine zu kleine Produktskala verwiesen. Andererseits dürfte ein Motiv für die Kaufzurückhaltung die Warnungen vieler Reiseführer sein, keine Produkte zu kaufen, deren Herkunft unbekannt ist.

Einig waren sich die Kongressteilnehmer indes, dass die Favelas mit der ihr eigenen Kultur einiges zu bieten haben. Ein kultureller Austausch, ein tatsächliches Eintauchen in den Alltag der comunidades und Hintergrundinformationen könnten ein Weg zu einem nachhaltigen Tourismus sein.