Belém – Marajó – Abseits der üblichen Touristikrouten

Veröffentlicht: 1. Oktober 2015 - 07:44h | Aktualisiert: 1. Oktober 2015 - 07:44h | Kategorie: Brasilien Reise-Reportagen

Wir möchten Ihnen Belém und Marajó, die in den Reiseprospekten über Brasilien selten beschriebene und deshalb kaum bekannte Gegend, ein bisschen näher bringen. Den Abenteurern unter unseren Lesern wird diese urwüchsige, vom tropischen Regenwald bedeckte Natur um die Mündung des mächtigsten Flusses unseres Planeten, wahrscheinlich zusagen. An der Mündung des Amazonas – oder besser: in seinem gigantischen Mündungsdelta, dessen Breite zwischen 190 und 280 Kilometern schwankt, fächern sich seine Wassermassen auf in ein unendlich erscheinendes Netz von Inseln, Kanälen, Flussarmen und Lagunen. Eine beeindruckende, wilde Urlandschaft, in der Tiere und Menschen sich noch bedingungslos dem Willen der Natur beugen.

1Belem Theater bei Nacht_AgenciaBrasil

Foto: AgenciaBrasil

Einst (1666) gründeten die portugiesischen Entdecker im südlichen Randgebiet des Deltas, in der Bucht von Guajará, die Stadt Belém (Bethlehem), heute Hauptstadt des Bundesstaates Pará und eine prosperierende Grossstadt, mit einer verinnerlichten “amazonensischen“ Identität – so ganz anders als die von europäischen oder amerikanischen Einflüssen unterwanderten Küsten-Metropolen des Südostens.

Tropischer Regenwald umgibt die paraensische Hauptstadt nicht nur von allen Seiten, er ist auch mitten in der City präsent: In den städtischen Parks, in den exotischen Früchten, die man auf dem “Mercado Ver-o-Peso“ (offener Markt) kaufen kann, ja sogar in den Gesichtszügen der Bewohner und ihrem Dialekt mit starkem indigenen Einschlag. Wer sich nun tiefer mit Amazonien beschäftigen möchte, der kann zum Eingewöhnen eine Kanufahrt durch das Inselgewirr und die Flussarme der Umgegend machen. Und wenn Sie ein bisschen mehr Zeit zur Verfügung haben, empfehlen wir Ihnen, die Bucht in Richtung auf die “Ilha de Marajó“ zu überqueren, denn diese halb vom Amazonas und halb vom Atlantik umspülte Insel ist unser Geheimtipp für “Abenteuer im Regenwald“!

Die Marajó-Insel selbst hat eine Fläche von 40.100 Quadratkilometern – ist also etwa so gross wie die Schweiz. Mit vielen kleineren Inseln um sie herum, die durch Flussarme von ihr getrennt sind, bildet sie den Marajó-Archipel, dessen gesamte Landfläche mehr als 49.000 Quadratkilometer erreicht. Etwa die Hälfte dieser Landfläche ist vom Regenwald bedeckt, die andere Hälfte besteht aus tiefer gelegenen “Campos“ (Savannen) die alljährlich von starken Regenfällen überschwemmt werden. Wegen der schwierigen Fortbewegung im unberührten Dschungel von Marajó konzentrieren sich die ökotouristischen Aktivitäten vorwiegend auf die Savannengebiete und die Ostküste der Insel. Diese Region bietet bereits fast alles, was das Urlauber- und auch das Abenteurerherz begehrt: Man kann hier ausgedehnte Fusswanderungen unternehmen, Ausflüge im Jeep oder per Fahrrad, man kann Mangrovewälder und überschwemmte Areale per Kanu erkunden, sich an Stränden ausruhen, die im Winter von Süsswasser und im Sommer vom Salzwasser umspült sind – und man kann Ausritte auf Büffeln unternehmen – wenn man sich traut.

Marajó besitzt die grösste Herde von Wasserbüffeln Brasiliens: 600.000 Stück! Und die versorgen die Bevölkerung nicht nur mit Fleisch und Milch, sondern dienen auch als Transportmittel, als Zug- und Arbeitstiere, und werden sogar von der Polizei der Inselhauptstadt Soure als Reittiere benutzt. Für die Touristen stets ein besonderes Vergnügen. Es stimmt, die gewaltigen Tiere können einem Neuling schon Angst einjagen, besonders wenn sich ein Papa zum ersten Mal von seinen Kindern gezwungen sieht, ein solches Monster zu besteigen, um nicht als Feigling dazustehen – aber die Inselbewohner versichern, dass ein trainierter Büffel zahmer ist als ein Pferd.

Hier erfahren Sie kurz und bündig erst einmal alles Wissenswerte über Belém und die schöne Insel. Kurzinfos über die Landschaft, die Flora und Fauna, die Bevölkerung, die lokale Küche, das Kunsthandwerk, die Volksfeste, die Unterkunft und auch die wichtigsten Entfernungen.

Belém und die ”Ilha de Marajó”

Lage: Nordosten des Bundesstaates Pará
Biom: Amazonien

Die Landschaft

Die Hauptstadt Belém befindet sich an der Mündung des Amazonasstroms, an den Ufern der “Baía do Guajará“, dort wo sich die Flüsse Acará und Guamá mischen und in den Rio Pará münden (lokale Bezeichnung eines Amazonas-Armes) – der seinerseits die Marajó-Bucht formt.

Auf der gegenüber liegenden Seite befindet sich der Marajó-Archipel, ein Gebiet von rund 50.000 Quadratkilometern, mit zirka 2.500 Inseln. Die grösste davon ist die “Ilha de Marajó“, mit 40.000 Quadratkilometern – grösste Fluss-Meeresinsel der Welt.

Die Vegetation innerhalb des gesamten Amazonas-Deltas ist vor allem typisch “amazonensisch”: Dazu gehören Gebiete mit feuchtem Wald (im Westen und Süden von Marajó und im Umfeld von Belém) und Gebiete mit überschwemmbaren Savannen, Mangrovedschungeln und ausgedehnten Flusstränden (im Norden und Osten von Marajó).

Die Wildtiere

Es gibt kaum ein schöneres Erlebnis auf der Insel, als einen Schwarm von “Guarás Vermelhos“ (Scharlachsichler – Eudocimus ruber) im Tiefflug über die Grassavanne fliegen zu sehen. Diese scharlachroten Vögel aus der Familie der Ibisse bieten einen so faszinierenden Anblick, dass sie inzwischen zu den beliebtesten Postkartenmotiven der Insel gehören. Natürlich sollte man ihretwegen nicht die unzähligen anderen Vogelarten vergessen, die in der Amazonasmündung zuhause sind – wahrscheinlich eine der grössten Artenvielfalten Brasiliens. Da gibt es Reiher, Störche, Löffler, Wildenten, Aras, Papageien, Sittiche, Schnepfen… man entdeckt sie an den Ufern von Fluss- und Bachläufen oder in den Kronen der Bäume.

Die Säugetiere Amazoniens allerdings, sind etwas schwieriger zu entdecken, denn der ineinander verflochtene Dschungel verbirgt sie perfekt. Aber um eine schöne Anzahl von ihnen kennenzulernen, lohnt sich ein Besuch im Park des “Museu Paraense Emílio Goeldi“ und im “Bioparque Amazônia“ (beide in Belém), wo unter anderen Tieren auch Exemplare des Gefleckten Jaguars, des Amazonas-Manati und Affen diverser Spezies leben.

Die Bevölkerung der Region

Ein grosser Teil der Bewohner von Belém stammt aus einer Mischung von portugiesischen Kolonisatoren und Tupinambá-Indios. In Marajó lebten einst indigene Aruá und Nheengaíba, die sich ebenfalls mit Weissen und Schwarzafrikanern gemischt haben, sodass ihre reine Rasse ganz von der Insel verschwunden ist. In Belém lebt die Bevölkerung auf einer kommerziellen Basis, von Dienstleistungen und vom Tourismus – letzterer allerdings eher in nationalem Rahmen als international. Auf der Insel Marajó sind Fischfang, Viehzucht (Büffel) und das Sammeln bestimmter Baumsamen für medizinische und kosmetische Produkte, die bedeutendsten Einnahmequellen.

Die lokale Küche

3Belem Imbussbude_Marcelo Pereira

Foto: Marcelo Pereira | Fotos Publicas

Sie gehört zweifellos zu den grössten Attraktionen der paraensischen Hauptstadt. Die Rezepte sind alle recht populär, und die Vielzahl solcher Menus, sowie die Vielfalt ihrer exotischen Gewürze, sind bereits die Reise wert. Ein klassisches lokales Gericht ist zum Beispiel die “Ente in Tucupi-Sauce“ (Pato no Tucupi). Tucupi ist ein gelber Sud, den man aus der “wilden” Maniokwurzel presst, und der dreizehn Stunden gekocht werden muss, um sein Gift (Blausäure) zu entfernen. Danach wird die Sauce durch Blätter der “Jambú“ (Acmella oleracea) ergänzt, einer Pflanze, die in der lokalen Medizin zur örtlichen Betäubung verwendet wird, gekocht jedoch nur ein leichtes Prickeln an der Zungenspitze verursacht – und diese exotische Sauce wird dann zur gebratenen Ente gereicht.

“Tacacá“ ist fast ebenso beliebt – ein Sud, den man im Kalebassen serviert. Auch dazu wird Jambu und Tucupi verwendet, ausserdem Maniokstärke, getrocknete Shrimps und eine bestimmte Pfeffersorte, die “Pimenta-do-cheiro” heisst. Man genehmigt sich diese Delikatesse an Kiosken auf der Strasse, nach dem Regen, der pünktlich an jedem Spätnachmittag vom Himmel fällt. Kosten Sie auch mal “Maniçoba“, ein Menu, das der aus Rio de Janeiro bekannten “Feijoada“ ähnelt, aber aus Blättern der “wilden“ Maniok (genannt Maniva) besteht, anstelle der Bohnen. Und natürlich gibt es dort überall auch “Açaí“, jene Palmfrucht, die bei uns als “Wunder der Gewichtsreduktion“ gepriesen wird – in Belém wird sie als Zutat zu Fisch und Crevetten serviert.

Zum Nachtisch empfiehlt es sich, etwas Platz im Magen zu reservieren für die delikaten Eiscremes in einer der zahlreichen “Sorveterias“ der Stadt. Besonders die aus Amazonasfrüchten sind einfach unvergleichlich – Cupuaçu, Taperaba, Bacuri… Auf der Insel Marajó besteht der Mittelpunkt eines Menus meistens aus Büffelfleisch, welches in der Regel mit Marajó-Käse serviert wird – ebenfalls aus Milch der Büffelkuh. Diese Kombination nennen sie “Filet Marajoara“ (Marajó-Filet). Eine weitere Spezialität, die man auf der lokalen Speisenkarte findet, ist “Frito do Vaqueiro“ (Gebratenes für den Cowboy) – in diesem Fall wird das Fleisch mit Maniokmehl serviert.

Das Kunsthandwerk

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Foto: Marcello Casal Jr.| AgenciaBrasil

Die reich verzierte Marajoara-Keramik, Vermächtnis einer Zivilisation, die auf der Insel zwischen dem 5. und 14. Jahrhundert existierte, ist längst weltberühmt. Die erhaltenen Originale kann man zwar nicht kaufen, aber ihre Repliken, von einigen besonders geschickten Nachkommen massstabsgetreu angefertigt, sind ein Verkaufserfolg. Obwohl der Distrikt von Ocoaraci, 25 Kilometer von Belém entfernt, als Pol der grössten Produktion von Marajoara-Keramiken gilt, gibt es auf der Insel selbst Kunsthandwerker, deren Keramik kaum von den Originalen zu unterscheiden sind.

Ein anderer empfehlenswerter Ort für den Kauf von Kunsthandwerk ist der “Polo Joalheiro São José Liberto“, ein antikes Gefängnis, das man in einen Touristik-Komplex umgebaut hat. Dort verkauft man unter anderem auch Schmuck, in dem Pará-Edelsteine verarbeitet sind. In Marajó sollte man sich auch die aus Büffelleder gefertigten Objekte ansehen – ausgestellt in einschlägigen Geschäften der Hauptstadt Soure.

Volksfeste

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Foto: Cristino Martins | GEPA

In Belém findet alljährlich das populäre, religiöse Volksfest “Círio de Nazaré“ statt, mit der grössten katholischen Prozession Brasiliens. Es beginnt stets am zweiten Sonntag des Monats Oktober. Dann nehmen zwei Millionen Gläubige die Strassen der Hauptstadt in Besitz, um sich in einer gigantischen Prozession von der Stadtkathedrale zur Basilika von Nazareth zu bewegen – an ihrer Spitze die “Nossa Senhora de Nazaré“, Relique einer Heiligen, die einst von portugiesischen Seefahrern aus der Heimat herüber gebracht wurde.

Auf der Marajó-Insel, besonders in dem kleinen Ort “Cachoeira do Arari“, beeindruckt das Fest zu Ehren des “São Sebastião“ durch die Ergebenheit seiner Bewohner, die die Skulptur des Heiligen in der Kirche “Nossa Senhora da Conceição“ schmücken – es findet im Januar statt.

Entfernungen

Von Marabá (Pará): 675 km
Von Teresina (Piauí): 900 km
Von Brasília (Regierungs-Distrikt): 1.900 km

Historische Gebäude in Belém

Das Kulturzentrum “Feliz Lusitânia”
Der Ort der Stadtgründung von Belém und der Kolonisierung Amazoniens wurde im Jahr 2002 restauriert und verwandelte sich in die historische Sehenswürdigkeit der paraensischen Hauptstadt. Neben einer Kirche aus dem 18. Jahrhundert gibt es hier ein Kulturzentrum und einige Kolonialgebäude, ausserdem das “Forte do Presépio“, ein Fort aus dem Jahr 1616, das von den Portugiesen errichtet wurde. Innerhalb seiner Mauern das “Museu do Encontro“, in dem Artefakte aus Stein und Keramik vom Rio Tapajós und der Insel Marajó ausgestellt sind, sowie Utensilien der historischen Tupinambá-Indios. Auch das Museum für religiöse Kunst (Museu de Arte Sacra), neben der Kirche “Igreja de Santo Alexandre“, lohnt einen Besuch, wo ein Teil der zirka 320 Exponate zu sehen ist, aus dem die Sammlung besteht.
Lokalität: Praça Frei Caetano.

Estação das Docas
Im Jahr 2000 wurden die antiken Lagerhallen des Hafens von Belém in einen interessanten Unterhaltungs-Komplex mit Bars, Restaurants und Geschäften verwandelt. Ein empfehlenswerter Ort, um sich dort am späteren Nachmittag einzufinden, sich mit einem Eis oder einem Schoppen Bier zu erfrischen, oder einfach nur die Briese aus der Guajará-Bucht zu geniessen.
Lokalität: Boulevard Castilhos França.

Basílica de Nazaré
Diese monumentale Kirche in neoklassischem Stil – erbaut zwischen 1909 und 1953 – ist das Ziel der traditionellen Prozession “Círio de Nazaré“. Auf ihrem Altar thront die Skulptur der Schutzheiligen des Staates Pará, der “Nossa Senhora de Nazaré“.
Lokalität: Praça Justo Chermont.

Teatro da Paz

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Foto: Embratur

Dieses Theater ist ein Erbe aus jener Wohlstandsepoche des Gummi-Booms, als Brasilien grösster Latex-Produzent auf dem Weltmarkt war, und die “Gummi-Barone“ Unsummen in einen exklusiven Lebensstandard investierten, der ihre europäischen Vorbilder noch übertreffen sollte. Das “Theater des Friedens“ wurde 1878 erbaut und reflektiert den Reichtum jener Elite in den Ornamenten aus englischem Eisen, die in Gold gebadet sind, den Lüstern aus französischem Kristall und dem italienischen Carrara-Marmor.
Lokalität: Rua da Paz, Praça da República.

Der Markt “Ver-o-Peso”
Um ihn in seiner ganzen Aktivitätenfülle zu erleben, sollten Sie mal ausnahmsweise, trotz Urlaub, noch vor Sonnenaufgang aufstehen, denn nur so können Sie das geschäftige Treiben der ankommenden Boote beobachten (und fotografieren), die beladen mit den unterschiedlichsten Gütern alle zur Anlegestelle des offenen Marktes streben, wo Lastenträger sie schon erwarten, um Körbe voller Fische, Açaí, Papayas, Ananas und vieler anderer tropischer Früchte zu den verschiedenen Verkaufsständen zu schleppen. Und dann schlendern Sie ohne Hast durch Brasiliens grössten Markt unter freiem Himmel. Alles, was Amazonien zu bieten hat, werden Sie hier finden: die exotischsten Früchte, Heilkräuter und pflanzliche Tinkturen für alle möglichen Leiden, Flaschen mit “Tucupi“, Fische wie den “Pirarucu“, den „Filhote“ oder den Tucunaré. Das von Indios produzierte “Guaraná“ (als Energiespender) oder jene mysteriösen Parfums, von denen die Verkäufer behaupten, dass sie alle möglichen Probleme lösen, gegen den “bösen Blick“ schützen und sogar Liebeskummer kurieren.
Lokalität: Avenida Castilho França (ohne Nummer)

Inseln

Ilha dos Papagaios
Diese kleine Insel wird von Papageien verschiedener Spezies als Schlaf- und Nistplatz benutzt – aber auch von anderen Vogelarten Amazoniens – die mit Sonnenaufgang in riesigen Schwärmen ihre Nester verlassen und am späten Nachmittag wiederkehren. Es empfiehlt sich, diesen Bootsausflug mit einem Guide zu unternehmen.
Lokalität: 6 km von Belém entfernt.

Ilha de Cotijuba
Diese Insel präsentiert sich mit verschiedenen Ökosystemen Amazoniens: dichte und offenen Waldgebiete, Wälder der “Várzea“ (die in der Regenperiode überflutet sind), Bäche, Seen und Flussstrände. Um die Insel zu besuchen, nimmt man an einem entsprechenden Ausflug einer lokalen Touristik-Agentur teil.
Lokalität: 25 km von Belém entfernt.

Ilha do Mosqueiro

7Belem Strand_Marcelo Pereira

Foto: Marcelo-Pereira

Umspült vom Rio Pará und der Guajará-Bucht, präsentiert die Mosqueiro-Insel eine herrliche Natur – besonders ihre 17 Kilometer Strände begeistern die Besucher. Ausserdem hat diese Insel eine bemerkenswerte Geschichte. Zwischen 1835 und 1840 ging von ihr die grösste Revolution Amazoniens und des ganzen Landes aus, die als “Cabanagem“ in die Geschichte Brasiliens eingegangen ist. Die gesamte arme und von der portugiesischen Elite misshandelte und gedemütigte Bevölkerung der damaligen Provinz “Grã Pará“ verbündete sich – Indios, schwarze Sklaven, Latexsammler, Ackerbauern und Fazenda-Besitzer schlugen auf der Insel ihr Camp auf, um von dort aus die Stadt Belém anzugreifen.
Lokalität: 65 km von Belém entfernt.

Ilha de Tatuoca
Auch diese Insel hatte eine historische Bedeutung in der “Cabanagem-Revolution”, denn dorthin flüchteten sich die legalen Truppen, während der Besetzung Beléms durch die Revoluzzer. Auf der Insel gibt es heute eine Station für geodesische Forschung, in der Wissenschaftler die Magnetfelder unseres Planeten studieren. Der Besuch ist begrenzt, deshalb ist es bei Interesse notwendig, die Begleitung eines Agentur-Guides einzubeziehen.
Lokalität: 25 km von Belém entfernt.

Parks

Bioparque Amazônia
Der Park ist unter dem Spitznamen “Crocodilo Safari” (Krokodil-Safari) bekannt, ein Wildpark im Umfeld von Belém, der aus 80 Hektar Dschungel und Bachläufen besteht. In den für Tiere reservierten Sektoren leben vier verschiedene Kaiman- und Alligatoren-Arten, wie zum Beispiel der gigantische “Jacaré-açu“ (Mohrenkaiman – Melanosuchus niger), sowie verschiedene Säugetiere und diverse Vogelarten, zum Beispiel die Harpyie und der Hyazinth-Ara. Desweiteren gibt es im Park ein Museum für Paleonthologie.
Lokalität: 20 km von Belém entfernt, im Ort Icoaraci, Anfahrt über die Rodovia Augusto Montenegro.

Mangal das Garças
Am Ufer des Rio Guamá kann man Beléms bedeutendstes Freizeitprogramm unter freiem Himmel erleben. Der Park hat 40.000 Quadratmeter Fläche, auf der sich ein riesiges Schmetterlingshaus befindet, eine ebensolche Voliere mit exotischen Vögeln, ein Aussichtsturm und das “Museu Amazônico de Navegação“ (Schifffahrts-Museum).
Lokalität: Passagem Carneiro da Rocha, Cidade Velha (Altstadt), Belém.

Museu Paraense Emílio Goeldi
Dieses Museum ist der Beweis, dass Belém eine von der Natur privilegierte Stadt ist. Das in der Stadtmitte befindliche Naturmuseum empfängt seine Besucher mit einer Fülle an Besonderheiten. Da ist zum Beispiel der “Parque Zoobotânico“, ein Zoologischer Garten, der erst kürzlich restauriert wurde, und in dem man zirka 500 Spezies der einheimischen Flora und 86 Spezies der amazonensischen Fauna bewundern kann. Einige dieser Tiere, zum Beispiel Agutis, Faultiere und Zwergameisenbären, leben in diesem Park völlig frei, ohne Gitter. Das Museum selbst ist allerdings genauso sehenswert – unter anderem sind hier auch Exponate aus dem ersten Forschungszentrum von Amazonien zu sehen, welches 1886 gegründet wurde.
Lokalität: Avenida Magalhães Barata, 376

Sehenswürdigkeiten der Ilha de Marajó

Pororoca

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Foto: Sidney Oliveira | Agencia Pará

Diese gigantische Flutwelle, von den Indios “Pororoca“ (Wasserdonnerlärm) genannt, ist eine Tidenwelle – ein typisches Naturphänomen im Mündungsgebiet des Amazonasstroms. Häufig ist sie in den Monaten Februar und März, wenn der Atlantik bei Voll- und Neumond, zweimal am Tag, ungeheure Wassermengen in das Delta des Amazonasstroms drückt. Es entsteht eine so genannte Springflut, die sich manchmal bis zu fünf Meter hoch auftürmt und mit einer Geschwindigkeit bis zu 65 km/Std. den Strom hinaufrollt – bis zu 800 km weit (in Obidos/Peru) wurden ihre Ausläufer beobachtet. Das Donnergrollen kann man bereits zwei Stunden vor Ankunft der Riesenwelle vernehmen, sodass man rechtzeitig vorher die Uferzonen verlassen kann – auch die Tiere richten sich danach.

Die sicherste Art und Weise dieses Naturspektakel zu beobachten, ist von einem einmotorigen Kleinflugzeug aus – solche Beobachtungsflüge finden über dem “Canal Perigoso“ statt, zwischen den Inseln Caviana und Mexiana, im Nordwesten der Insel Marajó. Dazu kann man sich mit einer Agentur in Verbindung setzen, um die Agenda entsprechender Flüge einzusehen.
Lokalität: Die Flüge starten in Belém.

Rustikale Unterkünfte

Fazenda Bom Jesus
Im Fall der Unterbringung auf einer der mit dem Tourismus arbeitenden Viehzucht-Fazendas sind besonders die “Birdwatcher” bestens bedient, denn sie haben eine vielgestaltige Vogelwelt direkt vor der Tür. Die “Garça-azul“ (Blaureiher – Egretta caerulea) und der “Colhereiro“ (Löffler – Platalea leucorodia) sind hier sehr häufig, so wie die während der Regenzeit bis zur Hälfte im Wasser stehenden Büffel. Die Fazenda (Farm) selbst arbeitet mit der IBAMA (staatlicher Naturschutz) zusammen, indem sie Tiere aufnimmt, die bei Jägern und Tierhändlern beschlagnahmt wurden.
Lokalität: 12 km von der Inselhauptstadt Soure entfernt.

Fazenda do Carmo
Diese Farm gilt als eine der schönsten von Marajó. Man kann sogar innerhalb dieses Besitzes eine archäologische Fundstätte besichtigen. Allerdings muss man eine Agentur für Ökotourismus kontaktieren, um auf der Fazenda do Carmo Quartier zu bekommen.
Lokalität: Befindet sich 30 Minuten per Schnellboot vom Porto Camará entfernt.

Fazenda Sanjo
Hier kann der Besucher wählen zwischen einem Erkundungsritt auf einem Büffel durch die Landschaft, einem nächtlichen Ausflug zur Beobachtung von nachtaktiven Tieren, oder dem Besuch eines Platzes unter freiem Himmel, mit einer archäologischen Fundstätte.
Lokalität: 45 Minuten per Schnellboot von der Hauptstadt Soure gelegen.

Fazenda São Jerônimo
Diese Fazenda bietet dem Besucher Ausflüge, die entweder aus Wanderungen auf Pfaden durch den Mangrovedschungel oder entlang von einsamen Stränden entlang der Marajó-Bucht bestehen – weitere Alternativen sind Ausritte auf Büffeln und Kanufahrten durch Flussarme und Mangrovendschungel.
Lokalität: 8 km von Soure entfernt.

Museu do Marajó
Ein Museum, das über die grösste Sammlung aus der Marajoara-Kultur verfügt. Ausser den Keramiken jener antiken Zivilisation, die auf der Insel länger als ein Millennium existierte, sind in dem Museum auch Exponate des traditionellen Lebens auf der Insel bis in die Neuzeit zu sehen.
Lokalität: Avenida do Museu, im Ort Cachoeira do Arari, 65 km von Salvaterra.

Die Bevölkerung

Céu und Cajuúna
Diese Kommunen werden von Fischern und solchen Personen bewohnt, die vom Sammeln typischer Samen Amazoniens leben, wie zum Beispiel von den Bäumen “Andiroba“ und “Ucuúba“, die zur Produktion von Medikamenten und Kosmetika verwendet werden. Man erreicht sie per Kanu von dem Ort “Praia do Pesqueiro“ aus, anschliessend auf einem schmalen Pfad. Für einen Besuch sollte man sich mit einer Agentur in Verbindung setzen.
Lokalität: 3 km vom Ort Praia do Pesqueiro entfernt.

Quilombo de Mangueiras
Bei dieser Kommune handelt es sich um die Nachfahren entflohener Sklaven, so genannten “Quilombolas”, deren Tagwerk zwischen Maniokpflanzungen, Fischfang und Festen abläuft, zu denen sie den Volkstanz “Carimbó“ präsentieren. Die Anfahrt führt per Boot über den Rio Paracauari. Auch zu diesem Besuch sollten Sie sich die Begleitung eines erfahrenen Guides aussuchen.
Lokalität: 40 km von Salvaterra aus.

Strände

Praia do Pesqueiro (Soure)
Das ist der bekannteste und meist frequentierte Strand der Inselhauptstadt Soure – mit zahlreichen Kiosken und Strandbars. Wie an allen Stränden an der Ostseite der Insel, ist das Wasser im “Winter” (von Januar bis Juni) süss und lehmig trüb, während es sich im “Sommer“ (Juli bis Dezember) transparent, grün und brackig (eine leicht salzige Meer- und Süsswassermischung) präsentiert. Obwohl sich der Strand am Ufer der Marajó-Bucht befindet, hat er viele Wellen, was den Eindruck eines Meeresstrandes vermittelt.
Lokalität: 12 km von Soure entfernt.

Strände von Barra Velha und Araruna (Soure)
Beide befinden sich in der Nachbarschaft von Praia do Pesqueiro. Der Strand “Barra Velha“ hat Kioske, um zu ihm zu gelangen, muss man einen Privatbesitz durchqueren. An seiner Seite, nachdem man einen kleinen Flusslauf durchwatet hat, erstreckt sich der Strand “Araruna“ – er ist praktisch leer.
Lokalität: 6 km von Soure entfernt.

Praia do Cajuúna(Soure)
Ein völlig einsamer Strand (ausgenommen während der Ferien im Juli). “Cajuúna“ wird von Praia do Pesqueiro durch einen Flussarm getrennt. Wie die andern hat dieser Strand Süsswasser während der ersten Hälfte des Jahres, das während der zweiten Hälfte brackig wird.
Lokalität: 5 km ab dem Strand Praia do Pesqueiro.

Praia Grande (Salvaterra)
Von diesem Strand mit grobem Sand sind Teile urbanisiert, mit zahlreichen Kiosks – aber wenn man sich davon ein wenig entfernt, erreicht man auch völlig einsame Areale.
Lokalität: 1 km von Salvaterra entfernt.

Praia de Joanes (Salvaterra)
Einer der schönsten Strände der Insel Marajó. Er befindet sich in Nachbarschaft des Örtchens “Vila de Joanes“, hat kleine Dünen und Ruinen aus der Zeit der Jesuiten.
Lokalität: 17 km von Salvaterra entfernt.

Archäologische Fundstätten

Joanes
In diesem kleinen Ort gibt es noch einige Ruinen aus jener Zeit, als die Jesuiten hier eine Missionsbasis anlegten, um von dort aus die Indios zu bekehren. Aber die widerstanden allen entsprechenden Versuchen der Missionare, bis diese sich schliesslich entmutigt aus der Gegend zurückzogen.
Lokalität: 17 km von Salvaterra entfernt.

Teso das Igaçabas
Dies ist eine archäologische Fundstätte von grosser Bedeutung, denn sie präsentiert Funde aus jener Zeit vor der Ankunft des Weissen Mannes. Die Anfahrt kann nur mit einem 4×4 Fahrzeug durchgeführt werden – ausgenommen zwischen Januar und Juni, wenn die Savannen überflutet sind. In dieser Zeit bedient man sich der Pferde. Nur mit einem Guide einer Touristik-Agentur durchführbar.
Lokalität: 60 km von Soure entfernt.

Hier erfahren Sie allgemeine Informationen zu Belém und zur Marajó-Insel: Die beste Reisezeit, um die Insel zu besuchen, Informationen über die Unterkünfte und interessante Links und Adressen rund um die Insel.

So kommt man hin

Per Flugzeug
Der Flughafen von Belém kann aus fast allen Hauptstädten Brasiliens angeflogen werden. Zur Insel Marajó gibt es Flüge zwischen Montag und Freitag in einmotorigen Linienflugzeugen, so genannten “Luft-Taxis“, ab Belém.

StepMap-Karte StepMap

Per Auto
Ab dem Mittleren Westen (Brasília) folgt man der Überlandstrasse “Belém-Brasília (BR-153) gegen Norden. Wer vom Nordosten aus startet, muss bis Teresina, der Hauptstadt des Bundesstaates Piauí, fahren, um von dort die BR-316 nach Belém unter die Räder zu nehmen. Um per Auto nach Marajó zu gelangen, benutzt man die Fähre ab “Icoaraci“, 25 km ausserhalb Beléms – die Fähre braucht drei Stunden bis zum Inselhafen “Porto Camará. Von dort sind es 30 Inselkilometer bis “Salvaterra“. Um nach “Soure“ zu kommen, muss man nur den Rio Paracauari per Fähre überqueren.

Per Omnibus
Der Busbahnhof von Belém operiert mit Unternehmen, welche die wichtigsten Städte Brasiliens mit ihren Buslinien anfahren.

Per Schiff
Um zur Insel Marajó zu Fuss zu gelangen, muss man am “Terminal Hidroviário“, in Belém das Fährschiff nehmen, das nach drei Stunden den Inselhafen “Porto Camará“ erreicht. Taxis, Vans und Busse stehen Ihnen dort für die 30 km bis Salvaterra zur Verfügung. Soure liegt am jenseitigen Ufer des Flusses Paracauari, den man per Fähre oder motorisiertem Kanu überqueren kann.

Die beste Reisezeit

Marajo Polizei auf Bueffel_Sidney Oliveira Agencia Para

Foto: Sidney-Oliveira | Agencia Pará

Wegen seiner besonderen Lage fällt in Belém praktisch an fast jedem Tag mehr oder weniger Regen. Während der Trockenperiode Amazoniens (zwischen Mai und Oktober) konzentrieren sich die Niederschläge auf den Einbruch der Nacht.

Auf der Insel Marajó ist das Jahr deutlich in zwei Jahreszeiten unterteilt. Eine ist trocken (genannt “Sommer“) – zwischen den Monaten Juli und Dezember, wenn die Savannen anfangen auszutrocknen bis ihre Erde vor Trockenheit aufplatzt. Die andere ist die Regenzeit (genannt “Winter“) – von Januar bis Juni, wenn die Insel teilweise überschwemmt wird. Während dieser Zeit sind Ausflüge innerhalb der Insel äusserst beschwerlich – viele Orte erreicht man dann nur per Boot. Die Trockenperiode dagegen erlaubt ein unbeschwertes Kennenlernen der Insel.

Unterkunft

Die Stadt Belém kann mit einer Hotel-Infrastruktur aufwarten, die einer grossen Hauptstadt würdig ist – von einfachen Pousadas (Familien-Pensionen) bis zu Fünf-Sterne-Palästen. Dagegen sind die Unterkünfte auf der Insel Marajó schon wesentlich bescheidener, verfügen jedoch über jeden Komfort, den ein Besucher braucht. Soure und Salvaterra sind die Städte, die in der Regel als Ausgangsorte für Inseltouren dienen, aber ein guter Tipp ist die Unterbringung auf einer der verschiedenen, im Innern gelegenen, Büffel-Fazendas, oder in einer familiären Pousada am Strand von “Praia do Pesqueiro“. Beides ist eine angenehme Art und Weise, sich in die Marajoara-Kultur zu integrieren. Und falls Sie einen exklusiveren Aufenthalt vorziehen sollten, dann vielleicht eine Übernachtung an Bord jener kleinen Kreuzfahrtschiffe, die von Belém aus starten.

Das sollten Sie mitbringen

  • Taschenlampe
  • Sonnenbrille
  • Sonnenschutz (Lotion)
  • Insektenabwehr (Autan)
  • Sandalen
  • Strohhut
  • Foto-Kamera
  • Badezeug und Handtuch
  • Short und T-Shirt

Sites und Telefonnummern

Vorwahl der Region (DDD): 91
Belemtur (Lokale Touristik-Agentur): 8733-2198
Paratur (Staatliche Touristik-Agentur): 3212-0669
Santa Casa de Belém (Hospital): 4009-2200
Rodoviária de Belém (Busbahnhof): 3266-2625
Prefeitura de Salvaterra (Präfektur von Marajó): 3765-1231
Aeroporto de Soure (Flugplatz von Marajó): 3741-1580
Prefeitura de Soure (Präfektur der Hauptstadt von Marajó): 3741-1101