Reiseführer zeigt Sehenswürdigkeiten der Favelas Rio de Janeiros

Veröffentlicht: 17. Januar 2015 - 13:10h | Aktualisiert: 17. Januar 2015 - 14:09h | Kategorie: Brasilien Reise-News

2330cd53d678eff15e7d0e5ac7ab1703Vor einigen Jahren noch wollte kaum einer etwas von den Armenvierteln Brasiliens wissen. Mittlerweile gilt es als schick, die Favelas Rio de Janeiros zu besuchen. Jetzt hat das Beratungsinstitut für Kleinunternehmer (Sebrae) einen Reiseführer über neun Favelas in der „Cidade Maravilhosa“ herausgegeben.

In den Reiseführer sind dabei nur die Favelas mit aufgenommen worden, die verschiedene Bedingungen erfüllen. Voraussetzung war unter anderem das Vorhandensein der Friedenseinheiten der Polizei (UPP). Dennoch sind bekannte und bereits befriedete Favelas wie Rocinha oder der Complexo do Alemão momentan nicht in dem Reiseführer verzeichnet, da es dort im vergangenen Jahr zu verschiedenen Konfrontationen zwischen Kriminellen und der Polizei gekommen war.

Enthalten sind im „Guia de Bolso das Comunidades do Rio“ die verschiedensten Tipps zu Restaurants, Kneipen, Unterkünften und Sehenswürdigkeiten, wie den „Caminho do Grafite“ (Graffiti-Weg) oder den „Jardim dos Prazeres“ in der Favela Morro dos Prazeres. Eingezeichnet sind ebenso Aussichtspunkte und Geschäfte, in denen Kunsthandwerk angeboten wird. Auch Umbanda-Zentren mit ihren Wurzeln in der afrikanischen Kultur sind verzeichnet. Wer seine Freizeit anders verbringen will, kann Unterricht im Bauen und Steigenlassen von Drachen nehmen.

Fünf der Favelas oder „Comunidades“, wie sie heute genannt werden, befinden sich in der Südzone Rio de Janeiros (Chapéu-Mangueira und Babilônia in Leme, Santa Marta in Botafogo und Morro dos Cabritos/Tabajaras zwischen den Stadtteilen Copacabana und Botafogo). In der Nordzone befinden sich Turano, Salgueiro und Formiga in Tijuca. Desweiteren ist der Morro dos Prazeres enthalten.

Bisher ist der Reiseführer lediglich in portugiesischer Sprache und einer kleinen Auflage erschienen. Die 5.000 Exemplare sollen kostenlos an touristischen Punkten verteilt werden. Von den Bewohnern der Favelas wird die Initiative grundsätzlich begrüßt. Gefordert werden jedoch neben der Stärkung des Tourismus auch die Verbesserung der Infrastruktur. Noch heute sind viele Armenviertel der Millionenmetropole nicht an die öffentliche Kanalisation angeschlossen.