Unterschiedliche Sternevergabe bei Hotels: Brasilien vs. Schweiz

Veröffentlicht: 6. September 2013 - 12:01h | Aktualisiert: 6. September 2013 - 12:01h | Kategorie: Brasilien Reise-Tipps

copacabana-hotelEin unerlässliches Hilfsmittel bei der Wahl des richtigen Hotels sind für den Gast die Sterne, mit denen die Häuser ausgezeichnet sind. So kann er, eine gewisse Vorkenntnis vorausgesetzt, genau wissen, was ihn im gebuchten Hotel erwartet. In einem 1-Sterne-Haus in der Schweiz kann er zum Beispiel davon ausgehen, in einem einfachen aber zweckmäßigen Zimmer zu nächtigen. Handtücher und Bettwäsche werden von eher schlichter Qualität sein. In einem 5-Sterne-Hotel residiert der Gast hingegen in einem komfortabel eingerichteten Zimmer. Das Bett wird mit hochwertiger Hotelbettwäsche bezogen sein und in den Bädern erwarten ihn flauschige Handtücher und Bademäntel.

Auch für den Hotelier bietet die Klassifizierung Vorteile. Ist sein Haus hoch bewertet kann er die Zimmer leichter und zu einem höheren Preis vermieten. Doch Sterne sind nicht gleich Sterne. International gibt es große Unterschiede. Anhand der Länder Schweiz und Brasilien lassen sich diese Differenzen beispielhaft aufzeigen.

Die Schweiz – klare Vorgaben schaffen Durchblick

In der Schweiz ist die Organisation hotelleriesuisse für die Vergabe von Sternen zuständig. Ihre obersten Ziele heißen Transparenz und klare Kriterien. Erste Voraussetzung für die Vergabe von Sternen sind laut hotelleriesuisse Sauberkeit und ein hygienisch einwandfreies Angebot. Zudem müssen „alle Einrichtungen und Ausstattungen funktionstüchtig, in mangelfreiem Zustand und ohne erkennbaren Renovierungs-/Investitionsstau“ sein. Außerdem müssen alle Zimmer über ein eigenes Bad mit Dusche oder Badewanne und WC verfügen. Ist eines dieser Kriterien nicht erfüllt, wird auch kein Stern vergeben – ganz egal, welche anderen Vorteile das Haus zu bieten hat.

Nach diesen Grundvoraussetzungen greifen verschiedene Kriterien für jeden Stern. Bei einem 1-Sterne-Haus reicht es beispielsweise, wenn die Einrichtung einfachen Ansprüchen genügt, also zweckmäßig und gepflegt ist. Ein 2-Sterne-Hotel muss schon mittleren Ansprüchen genügen, was zum Beispiel bedeutet, dass die Einrichtung aufeinander abgestimmt sein sollte. Gehobene Ansprüche darf der Gast mitbringen, der in einem 3-Sterne-Hotel nächtigt. Er kann erwarten, dass die Möblierung in Form und Farbe aufeinander abgestimmt ist. Zudem zählt der Gesamteindruck, der laut Verband von gehobenem Komfort und Wohnlichkeit geprägt sein soll. Hohen Ansprüchen gerecht wird ein 4-Sterne-Hotel, in dem die Einrichtung einen erstklassigen Komfort bieten muss. Eine luxuriöse Einrichtung, die höchsten Komfort bietet, wird schließlich verlangt, wenn das Hotel mit 5 Sternen ausgezeichnet werden soll.

Es gibt noch viele weitere, teils sehr konkrete Kriterien, die für die Vergabe der Sterne relevant sind. So müssen beispielsweise 4- und 5-Sterne-Häuser einen beweglichen Kosmetikspiegel im Badezimmer anbringen. All diese Regelungen sind in einem klar strukturierten Katalog mit 270 Punkten festgehalten, auf den sich Gast und Hotelier jederzeit berufen können.

Brasilien – es gibt Spielraum

Etwas anders stellt sich die Situation in Brasilien dar. Auch hier werden die Hotels mit Sternen ausgezeichnet, die Kriterien sind allerdings schwerer zu durchschauen. Früher wurden die Sterne vom Staat vergeben. Danach übernahmen private Initiativen diese Aufgabe, wobei die entsprechenden Prüfungen eher knapp ausfielen. Nun hat sich der Staat, genauer gesagt die Tourismusbehörde, wieder dieser Aufgabe angenommen. Ein Anlass dafür könnten die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro sein, zu denen Gäste aus aller Welt erwartet werden.

Auch in Brasilien gibt es nun einen Vorgabenkatalog, der erfüllt werden muss. Er ist allerdings nicht so fein gegliedert wie in der Schweiz. Ein 5-Sterne-Haus in Brasilien muss etwa über längere Matratzen als die anderen Hotels verfügen, Fernsehen in jedem Zimmer haben, sowie die Möglichkeit der Kreditkartenabrechnung bieten. Zudem kann der Gast auf seinem Zimmer mit einem kleinen Kühlschrank rechnen und sich darauf verlassen, dass er im Hotel ein Restaurant findet. Auch im Badezimmer, das mindestens vier Quadratmeter groß sein muss, kann er sich einigermaßen bewegen.

Deutlich enger geht es in 1-Sterne-Häusern zu. Hier muss das Bad lediglich eine Größe von zwei Quadratmetern aufweisen. Was den Gast ansonsten im Bad erwartet, ist unklar oder zumindest ungeregelt. Genau bei solchen Punkten fehlt die feine Aufgliederung, die in der Schweiz üblich ist. So wird für 1-Sterne-Häuser in der Schweiz im Bad etwa zweckmäßige Beleuchtung am Waschbecken, Spiegel und Steckdose in der Nähe desselbigen gefordert.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Gast auch in Brasilien sowohl in 4- und 5-Sterne-Häusern mit sehr gutem Komfort rechnen kann, und das nicht nur bei internationalen Hotelketten sondern auch in den zahlreichen romantischen Pousadas. In Häusern mit weniger Sterne werden allerdings auch zu wenige Punkte geprüft, um einen verlässlichen Standard zu garantieren. Hier kann der Gast wohl immer noch Glück oder Pech haben. Wer Bewertungen im Internet liest, reduziert das Risiko herber Enttäuschungen erheblich. Mit der neuen Klassifizierung ist Brasilien aber auf einem guten Weg.