Serra Gaúcha – Wilde Natur

Veröffentlicht: 1. Juni 2013 - 13:22h | Aktualisiert: 15. September 2013 - 13:38h | Kategorie: Brasilien Reise-Reportagen

Die so genannte “Region der Hortensien” in der “Serra Gaúcha“ kennt fast jeder in Brasilien – oder er hat zumindest von ihr gehört. Es ist ein Gebiet deutscher Kolonisation, man denkt an hausgemachte Schokolade und natürlich an die Hortensien, die einst von den ersten Siedlern gepflanzt, sich selbständig gemacht und wild wachsend in dieser schönen Mittelgebirgslandschaft ausgebreitet haben.

Rio Grande do Sul_Porto Alegre_037

Was man wahrscheinlich nicht in allen Tourismusprospekten finden wird, ist die Seite B von Canela, Gramado und Três Coroas, den Touristikzentren der Region – eine Seite, die den Besucher mehr in Kontakt mit der berauschenden Natur dieser schönen Gegend bringt. Diese Seite präsentiert zum Beispiel einen Canyon in Hufeisenform, Stromschnellen, die an Bord eines Schlauchbootes einen besonderen Rafting-Spass bieten, Wasserfälle, deren Felswände die Fans des Rappel begeistern, Seilbrücken für Abenteuer in den Baumwipfeln…

Das Schöne an diesem phantastischen Stück Rio Grande do Sul ist, dass es Ihnen neben seiner interessanten Geschichte, Folklore und Kultur, auch den Kontakt mit einer aussergewöhnlich vielgestaltigen Naturkulisse bietet, zum Beispiel:

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gaúcho da mulada
Gramado
Lago Negro - Gramado
Lago Negro - Gramado
Lago Negro - Gramado
Lago Negro - Gramado
Igreja Matriz São Pedro
Rio Cará
Stars light from Cambará - RS - Brazil
Natal Luz 2016
Natal Luz 2016
Natal Luz 2016
Natal Luz 2016
Amanhecer na Pedra do Silêncio
Aparados da serra
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Einen Spaziergang in der Stille der Sequóias, den doppelten Regenbogen bewundernd, der sich am Fuss des “Cascata do Caracol“ bildet, einem spektakulären Wasserfall von 131 Metern freier Fallhöhe, und eine Meditation im grössten buddhistischen Tempel Brasiliens. Was halten Sie von einer Begegnung mit den Einwohnern? Dann setzen Sie sich mal an einen der reich gedeckten Tische zu einem “Café colonial“, vor einem bullernden Kachelofen, und lauschen Sie den alten Geschichten der wagemutigen Pioniere.

Hier erfahren Sie was Sie alles an Aktivitäten in der Serra Gáucha unternehmen können.

Tourismus zu Pferd

Rio Grande do Sul_Porto Alegre_038Als der Mensch einst das Pferd zähmte – etwa vor 5.000 Jahren – machte er den Anfang zu einer der dauerhaftesten Beziehungen zwischen der Spezies Mensch und der Natur. Die Bedeutung dieses Tieres war von solcher Tragweite für uns, dass unsere Zivilisation ohne sein Dazutun wahrscheinlich einen ganz anderen Verlauf genommen hätte. Archäologische Funde beweisen, dass die Beziehung des Menschen zum Pferd in Zentralasien begonnen hat, wo es zum Transport von Lasten, als Arbeitstier in der Landwirtschaft und als Reittier für militärische Zwecke verwendet wurde. In vielen Teilen der Welt sind dies immer noch die bedeutendsten Funktionen, für die man Pferde einzusetzen pflegt. Auch in Brasilien, wo das Pferd als bevorzugtes Transportmittel in bestimmten Regionen eingesetzt wird, wie zum Beispiel dem Pantanal und in der weiten Pampa der Gaúchos.

In den letzten Jahrzehnten hat das Pferd in Brasilien allerdings eine weitere noble Funktion übernommen, nämlich, Touristen durch die erhabenen Landschaften zu führen, auf Trails, die von Fahrrad, Buggy oder Jeep kaum bewältigt werden, und die zu Fuss ebenfalls schlecht begangen werden könnten. Mit dem sicheren Instinkt eines Geschöpfs, das genau weiss, wohin es treten kann, bietet das Pferd (fast) jedem Hindernis die Stirn: Durch Flüsse, über Felsen, durch Sümpfe und Savannen bringt es seinen Reiter unversehrt und sicher zum Ziel. Dazu kommt, dass die in ihrer Stammregion aufgewachsenen Pferde sich besonders gut in der Natur auskennen, eventuelle Gefahren viel früher wittern als der Mensch, der im Pferdesattel zweifellos sicherer ist als auf seinen eigenen Beinen.

Seilgarten

Ein Wald voller mächtiger Bäume ist bereits von unten gesehen ein beeindruckender Anblick. Stellen Sie sich nun vor, ihn auch von oben, von den Baumwipfeln aus, kennenzulernen! Bei der Begehung eines Seilgartens kann man sich ein bisschen wie unsere Primatenstammväter fühlen, die sich zwischen den Ästen der Bäume fortbewegten – von einem Baumwipfel zum andern zu balancieren, hoch über dem Erdboden, macht besonders der jüngeren Generation riesigen Spass.

Es hat damit angefangen, dass europäische Forscher in den 90er Jahren sich darauf konzentrierten, eine effektive und sichere Technik zu entwickeln, um an die Objekte ihrer Studien zu gelangen, entweder die Kronen der Bäume selbst oder die Tiere, die in ihnen lebten. Und was damals einem wissenschaftlichen Zweck diente, entwickelte sich zu einem abenteuerlichen Zeitvertreib, der sich inzwischen in weiten Teilen Brasiliens regen touristischen Interesses erfreut. Von Baum zu Baum klettern auf Seilbrücken, in luftiger Höhe – selbstverständlich gut abgesichert – gehört zu den neueren Aktivitäten eines sportlichen Ökotourismus.

Wanderungen

Cascata_do_CaracolSelbst in einer Stadt, besonders an ruhigen Wochenenden, kann eine Fusswanderung schon eine erholende Wirkung haben – sie beruhigt die gestressten Nerven und baut den Körper wieder auf, bringt Klarheit in die Wirrnis der Gedanken und macht reinen Tisch für neue Ideen. Und wenn Sie eine solche Wanderung gar in einen stillen Wald verlegen können, zwischen die Felsen eines Gebirges oder an einen naturbelassenen Meeresstrand, dann wird so eine Wanderung zu einer der grössten Freuden, die der Tourismus in freier Natur zu vermitteln vermag. Ausserdem gibt es kaum eine physische Aktivität, die so allumfassend positiv betrachtet werden kann, wie eine Wanderung. Sie ist für jedes Alter geeignet, kann auf jedwedem Terrain ausgeführt werden und ist unabhängig vom Klima.

Viele der heute in Brasilien von den Ökotouristen benutzten Trampelwegen basieren auf Pfaden, die von den lokalen Bewohnern einst angelegt wurden, um mit der übrigen Welt zu kommunizieren. Und diese Pfade sind teilweise von so viel Naturschönheit gesäumt, dass sie in fast allen brasilianischen Bundesstaaten zu touristischen Sehenswürdigkeiten aufgewertet wurden. Sie führen zu Wasserfällen, Aussichtspunkten, Höhlen, Tälern und Höhen, die man mit keinem technischen Transportmittel erreichen könnte. Einige führen auch nirgendwohin, sie selbst sind die Attraktion.

Canyoning und Rapel

Bei dieser sportlichen Aktivität, welche in den Eigenheiten des Reliefs sowohl Attraktion wie Hindernis verehrt, sind die zu verfolgenden Pfade nicht so deutlich vorgezeichnet, wie bei einer Fusswanderung, sondern der Mensch muss mit Umsicht und Geschick die Möglichkeiten entdecken, die ihm die Natur vorgezeichnet hat – was die Fans als den besonderen Reiz an diesem Freizeitsport empfinden. So verfolgen die Adepten des Canyoning den Verlauf eines Flusses und weichen den Hindernissen aus, die ihnen begegnen: Wasserfälle, Stromschnellen, Engpässe und Felsnasen . . .

Andere suchen den intensiven Kontakt mit der Natur und die damit verbundenen Emotionen mit möglichst kräftigem Adrenalinausstössen beim Hangeln an steilen Felswänden neben einem möglichst hohen Wasserfall – ein inzwischen sehr beliebter Aktivsport unter der französischen Bezeichnung “Rapel“ (in Deutsch: Abseilen). Dabei kommen sowohl Techniken der Höhlenforscher als auch der Bergsteiger zur Anwendung.

Die ersten Berichte der Erforschung von Canyons datieren von 1893, aber die bahnbrechende Expedition dieser Aktivität wurde 1905 durchgeführt, als eine vom Vater der Höhlenforschung, dem Franzosen Edouard Alfred Martel, geführte Equipe den Canyon des Flusses Verdon, in Frankreich, hinunterfuhr, mit schwerer, rudimentärer Ausrüstung. Erst in den 70er Jahren, nach der Entwicklung entsprechender technisch perfekter Ausrüstung, begann das Canyoning sich weiterzuentwickeln – mit eigenen Techniken, Regeln und Zielen. In Brasilien wird die Expedition auf dem Rio Quebra-Perna (Beinbrecher) in Paraná (1989) als erste Forschungsreise innerhalb der aktuellen Canyoning-Bewegung betrachtet.

Hier erfahren Sie kurz und bündig Wissenswertes über die Bevölkerung, die lokale Küche, das Kunsthandwerk, die Volksfeste, die Unterkunft und auch die wichtigsten Entfernungen.

Serra Gaúcha

Serra Gaúcha: Besonders reizvolle Landschaft im Bundesstaates Rio Grande do Sul
Biom: Atlantischer Regenwald

Die gute lokale Küche

Die deutschen und italienischen Nachkommen in der Serra Gaúcha verstehen etwas von der Kunst einer guten Küche und der Schlemmerei. Das merken Sie sofort nach dem Genuss ihres berühmten “Café Colonial“, einer Kaffeetafel, zu der Dutzende von Beigaben gehören (bis zu 80 – je nach Lokalität), mit Gelees, Kuchen, Plätzchen, Brötchen, Torten, Strudel, Joghurts, Käsen, Salamis, Eiern, deutschen und italienischen Leckereien und dem typischen “Bolo cuca“. Auch der traditionelle “Churrasco Gaúcho“ (Grillfleisch) kommt bei Mittag- oder Abendessen zu Zug, zusammen mit deutschen Rezepten für die Beilagen. Die kalten Nächten helfen Fondues zu erwärmen, vorzugsweise begleitet von Weinen aus der Nachbarschaft Bento Gonçalves. Und vergessen Sie nicht, den “Pinhão“ zu probieren, die Samenkerne der Araukarie, die im Winter zahlreiche Menus bereichern.

Künstlerhände

Gramado feiert das berühmteste Weihnachtsfest des Landes. Und das macht das Städtchen zu einem der besten Plätze für den Einkauf von Weihnachtsdekoration: Girlanden, Rentiere, Weihnachtsmänner aller Art, Baumschmuck… Und weil dies eine kalte Region ist, bekommt man hier auch Pullover, Lederkleidung, Handschuhe, Schals und Jacken, die besonders die brasilianischen Touristen wärmen, die sich einem plötzlichen Kälteeinbruch unvorbereitet gegenübersehen. Ein anderes typisches Produkt in Gramado ist das Schuhwerk aus Leder – ein bedeutender lokaler Wirtschaftsfaktor. In den Geschäften kann man auch zahllose Holzobjekte bekommen – von kleinen Deko-Objekten bis zu Möbeln fürs Haus – alles aus gediegenem Holz und in Handarbeit gefertigt. Zu den besonders zierlichen Souvenirs aus Gramado gehören Objekte aus Kristall, die nach venezianischen Techniken angefertigt werde – und in der Nachbarstadt Gramado, die hübschen Stoffpuppen.

Volksfeste

gramado-visitbrazilDas Weihnachtsfest “Luz de Gramado” ist eins der grössten Feste Brasiliens am Ende des Jahres. Dazu gehören mehr als 25 Millionen Lampen und Lämpchen, Shows, Spezialdekoration, Parade der Bleisoldaten, Zwerge, Ballerinas und Präsentationen, die Kinder und Erwachsenen gleichermassen begeistert in eine Welt der Magie versetzen. Gleich darauf, zwischen März und April, versammelt das “Festa da Colônia“ (Fest der Kolonie) italienische und deutsche Familien zu einem Event mit Ständen, die typische Produkte anbieten, mit Tanz- und Musikpräsentationen. Zwischen Juli und September verwandelt sich Gramado in einen Kulturbühne für künstlerische Darbietungen aller Art und Genres, inklusive eines der bedeutendsten Kino-Festivals Lateinamerikas. Das “Festival de Cinema de Gramado“ zeigt Dutzende von Filmen und prämiert die besten nationalen und lateinamerikanischen Produktionen. In der Nachbarstadt Canela empfängt das “Festival Internacional de Teatro de Bonecos“ (Theaterfestival der Puppen) Künstler aus aller Welt, um sich im Theater, in Schulen und auf den Strassen zu präsentieren.

Hier erfahren Sie allgemeine Informationen über die Serra Gáucha: wann die beste Reisezeit ist, um die Gegend zu besuchen, Informationen über Unterkünfte, was diese kosten, wie man die Destination erreicht, Entfernungen zwischen den einzelnen Zielen und interessante Links und Adressen.

So kommt man hin

Per Flugzeug:
Der nächste Flughafen befindet sich in Caxias do Sul, 76 km nordöstlich von Gramado. Ein bisschen weiter weg, 123 km südlich, befindet sich der internationale Flughafen von Porto Alegre.

Per Omnibus:
Von Porto Alegre fahren Omnibusse nach Gramado, Canela oder Três Coroas. Eine weitere Option ist Caxias do Sul: von dort fahren Busse direkt Gramado an.

Per Auto:
Wenn man vom Norden des Bundesstaates Rio Grande do Sul kommt, benutzt man die Strasse BR-116 bis zur Kreuzung mit der BR-285 und danach die RS-476. Von Porto Alegre aus gibt es drei mögliche Routen nach Gramado: die RS-020 (via Cachoeirinha) – die BR-116 bis Estância Velha und die RS-239 bis Taquara und die RS-115 – oder die landschaftlich schönste von ihnen, die BR-116 bis Nova Petrópolis.

StepMap-Karte StepMap

Entfernungen

Bis Canela:
Von Gramado (RS): 8 km
Von Porto Alegre (RS): 125 km
Von Caxias do Sul (RS): 76 km
Von Bento Gonçalves (RS): 125 km
Von Cambará do Sul (RS): 107 km

Bis Gramado:
Von Porto Alegre (RS): 117 km
Von São Francisco de Paula (RS): 47 km
Von Caxias do Sul (RS): 68 km

Beste Zeiten

Die Region hat ein durchwachsenes Klima, mit einem Durchschnittswert von 15o C. Obwohl Touristen das ganze Jahr über die Gegend bereisen, sind sie in der kälteren Jahreszeit zahlreicher (Herbst und Winter – zwischen April und September) – wenn es neuen Wein gibt und die üppige Küche der Deutschen und Italiener. In Gramado kann es in der Jahresmitte (Juli/August) sogar schneien. Um die abenteuerlichen Aktivitäten wahrzunehmen, sind die Sommermonate (November bis Februar) besser geeignet, wegen der höheren Temperaturen, besonders wenn man sich im Wasser oder in den Wäldern aufhalten will. Auch die Epoche der Festivals kann recht interessant sein, aber denken Sie an entsprechende Kleidung je nach Jahreszeit.

Unterkunft

Die “Serra Gaúcha” ist eine der besten strukturierten Tourismus-Destinationen des Landes, mit einem grossen Hotelnetz aller Kategorien. Mit einer starken deutschen und italienischen Kolonisation bietet die Gegend auch verschiedene Optionen ländlicher Unterkünfte, mit typischer Verpflegung und direktem Kontakt mit der Natur. Für ein romantischeres Ambiente gibt es diverse Pousadas in der reizvollen Umgebung der Berge und deren kühlem Klima.

Sites und Telefonverbindungen

Regionale Vorwahl: 54

Canela:

(Präfektur) Prefeitura Municipal: 3282-1289, www.canela.rs.gov.br
(Turismussekretariat) Secretaria Municipal de Turismo: 3282-1287 oder 3282-7822
(Tour-Info) Informações turísticas: 3282-2200
(Busbahnhof) Rodoviária: 3282-1375
Canela Turismo: www.canelaturismo.com.br

Gramado:

(Präfektur) Prefeitura Municipal: 3286-0200, www.gramado.rs.gov.b
(Tour-Info) Informações turísticas: 3286-1475
(Busbahnhof) Rodoviária: 3286-1302

Três Coroas:

(Präfektur) Prefeitura Municipal: (51) 3546-7800, www.pmtcoroas.com.br